1. Bundesliga 2017/2018 - Runden 5 und 6

Das Motodrom von Hockenheim wird unserer 1. Mannschaft wohl noch lange in guter Erinnerung bleiben. Und das nicht nur wegen der exzellenten Organisation des Bundesliga-Wochenendes durch den gastgebenden amtierneden Deutschen Vizemeister SV Hockenheim, und auch nicht nur wegen des nebenstehendes Selfies das vor Beginn der Sonntagspartie gegen die Hockenheimer entstand. Makan Rafiee, Philip Lindgren, Linus Johansson und Noel Studer wirken hier noch, als hätten sie die ganze Nacht durchgezecht. Aber das war natürlich mit Nichten der Fall. Nur wenig später taten sie dann das, was die gesamte Mannschaft an diesem Wochenede durchgängig tat, und was auf dem Gelände der weltbekannten Formel 1 Rennstrecke wohl auch keinesfalls ein Fehler sein kann: Gas geben! Aber der Reihe nach... 

Am Samstag stand zunächst das wichtige Spiel gegen den SV Hofheim auf dem Programm, der eine der Mannschaften "in Reichweite" unseres Teams ist, und gegen die unbedingt ein Sieg her sollte. Natürlich war auch dieser Kampf alles andere als leicht, denn auch die Hofheimer hatten praktisch ihre beste Mannschaft an Bord. Gleiches galt aber auch für uns, und so entwickelte sich dann auch ein Kampf auf Biegen und Brechen, der jederzeit in eine der beiden Richtungen hätte kippen können und in den einzelnen Partien durchaus auch teilweise von einem wechselhaften Verlauf gekennzeichnet war. Den ersten vollen Punkt verbuchte Klaus Bischoff, dessen Gegner früh in Zeitnot kam und dann vollends zusammenbrach. Danach waren es dann aber die Hofheimer, die zunächst weiter den Ton angaben. Nicht ihren besten Tag erwischen Linus Johansson und Makan Rafiee, die jeweils über relativ glatte Niederlagen quittieren mussten, was die Hofheimer in Führung brachte. Zeitweise hatte Valentin Dragnev am 1. Brett sicher gute Chancen, doch scheiterte er letzlich taktisch an einem Weltklassemann, was ohne Weiteres passieren kann. Zwei Punkte Rückstand damit in diesem Moment.

Allerdings war der Kampf damit noch nicht entschieden, denn sowohl Michael Fedorovsky als auch Philip Lindgren hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Gewinnstellungen. Während Michael Fedorovsky sehr souverän agierte und seiner ohnehin schon guten Bilanz einen weiteren Sieg hinzufügte, hatte Philip Lindgren zwischenzeitlich etwas Glück, spielte dann aber sein vorteilhaftes Turmendspiel praktisch mühelos herunter. Das war der Ausgleich zum 3-3. In den übrigen beiden Partien versuchte jeweils eine Seite, noch den entscheidenden Treffer zu erzielen. Während Noel Studer an Brett 2 derjenige war, der seinen Gegner lange "quälte", hatte Denis Gretz an Brett 8 ein verlorenes Turmemedspiel zu verteidigen. Dass es ihm gelang, das Remis zu halten, war teilweise natürlich auch seinem Gegner zu verdanken, der seine Chancen ausließ. Aber auch seinem Kampfgeist und der besseren Konzentration nach fast 6 Stunden Spielzeit. Mit subtilen, aber schwer zu sehenden Zügen hätte Noel Studer seine Gewinnabsichten eventuell in die Tat umsetzen können, doch musste er am Ende akzeptieren, dass die Stellung nicht mehr als ein Remis für ihn hergab. Dies freilich nicht, ohne dem Publikum noch eine Schrecksekunde zu gönnen! Statt mit Kc7 die Stellung ein weiteres mal zu wiederholen, ging nach Ke7 plötzlich b4 und wenig später lief ein gefährlicher weißer Freibauer die c-Linie herunter. Der Bauer war gerade noch aufhaltbar, und so blieb es am Ende bei dem Remis und dem insgesamt leistungsgerechten 4-4.

Am Sonntag dann das Spiel gegen die haushoch favorisierten Gastgeber, zu dem wir in der gleichen Aufstellung wie am Vortag antraten. Das galt auch für den SV Hockenheim, der Tags zuvor ohne einen einzigen Spieler seiner ersten Acht klar gegen MSA Zugzwang gewonnen hatte und mit dem gleichen Personal selbiges natürlich auch gegen uns zum Ziel hatte. Unsere Mannschaft dagegen agierte einfach nach dem Motto: "Wir haben sowieso keine Chance, also nutzen wir sie!" Das versuchte als erstes Denis Gretz an Brett 8, der den Franzosen seines Gegners aber trotz Bauernsturm am Königsflügel nicht ernsthaft in Gefahr bringen konnte und schließlich am Damenflügel schnell unterlag. Soweit lief noch alles "normal" aus Sicht aller Beteiligten. Dann aber wurde es langsam immer spannender. Sowohl Klaus Bischoff, der zwischenzeitlich einen taktischen Schlag seines Gegners unterschätzt hatte, und Linus Johansson, dessen Gegner über die offene c-Linie in seine Stellung eindrang, kämpften um das Remis. Beiden gelang dieses Kunststück am Ende, so dass es zunächst bei der knappen Führung der Gastgeber blieb. Umgekehrt die Vorzeichen in der Partie von Michael Fedorovsky, der einen Mehrbauern hatte, allerdings in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern plus Turm kaum reelle Gewinnchancen besaß. Auch hier blieb es bei der Punkteteilung.

Als es auf die Zeitkontrolle zuging, fiehlen in den übrigen vier Partien praktisch überall die Vorentscheidungen. An Brett 1 wendete dabei Valentin Dragnev aus einer eher schlechteren Stellung heraus das Blatt. Nachdem er eine zweite Dame auf dem Brett hatte, musste er nur noch aufpassen, nicht von den um seinen König versammelten gegenerischen Figuren matt gesetzt zu werden. Als das weiße Pulver verschossen war, ging der volle Punkt an uns. Gleiches hätte auch Philip Lindgren an Brett 6 gelingen können, doch fand er in Zeitnot nicht den richtigen Weg und verlor. Nicht fehlerfrei kam auch Makan Rafiee über die Zeitkontrolle, doch erwiederte sein Gegner das "Kompliment" und gestattete ihm den Übergang in ein gewonnenes Endspiel mit Turm und Dame. Hier ließ er dann nichts mehr anbrennen und stellte den erneuten Ausgleich her. So war es schließlich Noel Studer an Brett 2 vorbehalten, für die Entscheidung zu sorgen. Er hatte nach interessantem Partieverlauf einen Mehrbauern in einem Endspiel mit Turm, Läufer und Springer auf jeder Seite. Allerdings musste er noch einen Weg finden, mit seinen Figuren in die gegnerische Stellung einzudringen. Nicht jeder hätte dabei vorrangig an den König gedacht, doch gerade dieser marschierte mitten durchs Zentrum in die schwarze Stellung hinein, die danach zügig auseinander brach. Für den Autor "die" Partie des Wochenendes. Weltklasse und einfach nur schön. Als die Uhr an diesem Brett abgestellt wurde, war die Überraschung perfekt und zwei Punkte auf unserem Konto, die uns auf einem Nicht-Abstiegsplatz ins Neue Jahr gehen lassen. Natürlich müssen dann noch weitere Punkte folgen. Zunächst erst einmal kann die Mannschaft aber stolz auf das bisher Erreichte sein, und insbesondere auf das Wochenenede in Hockenheim, an dem sie sich gerade auch als Mannschaft so starkt präsentierte wie schon lange nicht mehr. (Wengler)

Mannschaftsaufstellungen und Einzelergebnisse:

Brett Nr. SV Hofheim 4 4 FC Bayern Nr.
1 1 Volokitin, Andrei 1 0 Dragnev, Valentin 1
2 2 Schroeder, Jan-Christian ½ ½ Studer, Noel 2
3 3 Savchenko, Stanislav 0 1 Bischoff, Klaus 3
4 5 Ginsburg, Gennadi 1 0 Johansson, Linus 5
5 6 Perske, Thore 0 1 Fedorovsky, Michael 6
6 7 Lobzhanidze, Davit 0 1 Lindgren, Philip 7
7 8 Gurevich, Vladimir 1 0 Rafiee, Makan 15
8 9 Margolin, Boris ½ ½ Gretz, Denis 17

 

Brett Nr. FC Bayern 4,5 3,5 SV Hockenheim Nr.
1 1 Dragnev, Valentin 1 0 Wagner, Dennis 9
2 2 Studer, Noel 1 0 Saric, Ivan 10
3 3 Bischoff, Klaus ½ ½ Buhmann, Rainer 11
4 5 Johansson, Linus ½ ½ Baramidze, David 12
5 6 Fedorovsky, Michael ½ ½ Banusz, Tamas 13
6 7 Lindgren, Philip 0 1 Braun, Arik 14
7 15 Rafiee, Makan 1 0 Boguslawski, Oleg 15
8 17 Gretz, Denis 0 1 Bodrozic, Tomislav 16